U-Bahn fahren ist Krieg

Egal zu welcher Tageszeit ich mit der U-Bahn unterwegs bin. Man erkennt den Leuten schon an ihrem Gesichtsausdruck an, welchen strategischen Plan sie als nächstes verfolgen, um den möglichst besten Platz zu bekommen. Selbst wenn ich optimistisch war und dachte, ich hätte die perfekte Taktik, wurde ich meist eines Besseren belehrt. Nach jahrelanger Beobachtung konnte ich immerhin einige Phänomene des U-Bahn Fahrens entschlüsseln und für die Nachwelt dokumentieren 🙂

Phänomen 1 – Business Schicki Micki Tanten und Onkels

Ganz klar, niemand hat so viel Geld, Make Up und tolle Anzüge wie sie – die business Menschen. Nichts läuft ohne sie. Entweder wird ununterbrochen telefoniert, oder sie stecken ihre Nase in die Luft, um uns zu zeigen. Hey, hier sind wir! Ich frage mich nur, warum man sich mit so viel Geld, in eine überfüllte U-Bahn drücken muss und nicht mit der eigenen Limousine bis zum nächsten Zigaretten Automat fahren kann? Außerdem sollte man erwähnen, dass die Aktentasche, in der meist nur ein Apfel und die Tageszeitung zu finden sind, oder das Schminktäschchen, auf dem Behinderten – Sitzplatz höhere Priorität hat, als alte Menschen oder Schwerbehinderte. Leider finden diese auch nie Beachtung, da bereits der nächste Anrufer wartet.

Phänomen 2 – Die ganz Coolen

Manchmal ist es ganz lustig, im Hinterkopf eine Strichliste zu führen, und jedes „Alter“ abzuhaken, was sein Gegenüber sagt. Die typischen männlichen „Alter“ Kandidaten haben meist Fetzen – ähnlichen Kleidungsstücke an, die mindestens 3 Nummern zu groß sind. Bei den weiblichen ist es dagegen meist umgekehrt. Wo wir gerade dabei wären, hier fällt mir noch ein toller, wenn auch sehr alter, Post des Würzblogs ein. Na gut, wollen wir mal nicht so sein. Nur wieso zum Teufel (Entschuldigung) müssen sie den letzten Hauch Niveau, der ihnen geblieben ist, mit Jamba Werbesongs ausradieren. Spätestens jetzt liegen meine Nerven blank. Die nächsten 10 Stationen darf ich Ghetto Klängen lauschen. Das volle Kulturprogramm.

Phänomen 3 – die Rolltreppe

Ich gebe zu, ich bin oft ziemlich faul. Doch sollte sich eine Möglichkeit bieten, die Rolltreppe zu vermeiden, renne ich lieber die Treppe entlang. Im schlimmsten Fall, sogar nach oben. Wer auch immer die Rolltreppe erfunden haben mag, danke! Es ist wirklich angenehm, bei einem längeren Einkaufsbummel keine Treppen laufen zu müssen. Jeder wartet in Ruhe, bis er oben, oder unten, angekommen ist und schlendert dann seelenruhig weiter. Anders dagegen in U-Bahnhöfen – hier gelten andere Gesetze. Oder doch eher, Anarchie?

Man hat es eilig, die nächste U-Bahn kommt in 3 Minuten. Eigentlich kein Problem, wenn da nicht die nächste Hürde wäre. Du rennst, so schnell Du kannst. Und hey, die Rolltreppe ist frei. Nur vor dir steht jemand, aber es scheint so, als wäre auch er in Eile. Du spürst bereits den Windzug deines Zuges, wie er in den Bahnhof fährt. Du hast es gleich geschafft. Aber warum bleibt der Typ vor Dir jetzt stehen? Kurz vor dem Ende? Nicht einfach rechts, oder links. Nein, in der Mitte natürlich. Es bleibt also keine Chance vorbei zu rennen. Auch die höflichen Aufforderungen, zur Seite zu treten ziehen an ihm vorbei, wie der Wind deines abfahrenden Zuges.

Phänomen 4 – Ältere Menschen

Zu Hause sind sie die netten Großeltern, die ihre Enkel mit Süßigkeiten und Geschenken überschütten. Am liebsten knuddeln sie einen die ganze Zeit und kneifen immerzu in die Backen. Was für lustige, liebenswerte Zeitgenossen. Ich verlange nicht, dass mich wildfremde Menschen in der U-Bahn anfallen und zerdrücken. Allerdings habe ich oft den Anschein, dass bei 90 % der älteren Fahrgäste, der Verstand aussetzt und nur noch das Gesetz des Stärkeren zählt. Krücken, Gehhilfen und Handtaschen werden zu gefährlichen Geschossen. Die bevorzugt gegen fremde Schienbeine, wie etwa meine, eingesetzt werden. Selbst, wenn man ihnen Plätze anbietet, oder rücksichtsvoll bei Seite tritt, ist der nächste blaue Fleck vorprogrammiert.

Phänomen 5 – Der Geruchsfaktor

Ein besonders großer Nachteil an öffentlichen Verkehrsmitteln ist, dass sie öffentlich sind! Manche Abteile kommen mir vor, wie riesige Seuchenherde. Ob nun ansteckend, oder nicht, man kann sie nicht umgehen. Selbst wenn man sich allein an das andere Ende des Abteils setzt. Die Sehnsucht vieler übel riechender, annähernd menschlicher Gestalten, treibt sie immer wieder zu einem.

Mir würden sicher noch einige Dinge einfallen. Aber das würde das Maß aller Dinge sprengen. Vielleicht konnte ich so manchem Opfer des öffentlichen Verkehrs helfen. Viel Erfolg!

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2 Responses to “U-Bahn fahren ist Krieg”


  1. 1 schlotzz Oktober 23, 2007 um 2:55 pm

    Ich schmeiß mich weg!

    Die Schicki-Micki Onkels/Tanten habe ich auch gefressen. Schon allein die Tatsache, dass die Nase so hoch getragen wird, dass jeder Blinde auf 100 Meter Entfernung in den hohlen Raum sehen kann, in dem sich eigentlich ein Gehirn befinden sollte. Nein, man bekommt auch immer das Gefühl vermittelt, dass man weniger Wert ist, nur weil man kein Kostüm/Anzug anhat. Aber für alle Betroffenen Schicki-Mickis, ich möchte euch einmal aufklären:

    1. Durch so ein assoziales Verhalten macht ihr euch zum Außenseiter im Alltag. Keiner „Normalo“ will mit euch was zu tun haben, soweit es sich vermeiden lässt.
    2. Freunde findet man meistens im Alltag. Solche Aktionen sind der beste Schutz vor Freunden!
    3. Wenn sich jemand mit euch freiwillig unterhält, dann sind das andere Schicki-Mickis. Aber Vorsicht! Diese Leute sind keine Freunde. Sie reden nur mit euch, weil es ein „Knigge für Schnösel“ vorschreibt.

    greetz,
    schlotzz

  2. 2 Kai Dezember 23, 2007 um 2:55 pm

    Das kommt mir alles ziemlich bekannt vor. Mein weg zu Datev war immer genau vom gleichen geprägt. Busfahren is aber auch nicht viel besser…


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